AUS EINEM GUSS

am Mittwoch, 25 April 2012. geschrieben in KUNST + KULTUR, MENSCHEN + REGION

AUS EINEM GUSS

Ein Hahn kräht. „Ali, wo steckst du denn gerade?“ Ein Satz, den der gebürtige Türke Ali Yaman gerade am Telefon öfter hört. Der passionierte Raumaustatter hat sein Atelier auf dem idyllischen Brookhoff, direkt neben der alten Wassermühle in Lüllau. Hier gestaltet die Natur!

Allem Anschein nach auch Yamans Kleidung: jagdgrüne Hose mit passender Weste, Brokatjacke mit rotweiß-kariertem Hemd und Halstuch. Nein, nein“, sagt er und lacht. Ich entwerfe meine Klamotten einfach nur selbst, lebe dabei meinen persönlichen Stil aus.“ Über den wunderten sich auch schon Prominente wie Roberto Blanco. „,Ein Türke mit Lederhose in Hamburg‘ lachte er. Ohne meinen Stil hätte ich Roberto also nicht kennengelernt. Gern hätte der heute 50-jährige Yaman, der im Alter von sieben Jahren nach Deutschland kam, Modedesign studiert und viel geschneidert. „Mein Interesse galt Stoffen und Leder“, fügt er hinzu. Aber es sollte anders kommen. Plötzlich fand sich der junge Kreative als Lehrling der Elektrotechnik im Allgemeinen Krankenhaus in Harburg wieder. Ausgewählt aus 300 Mitbewerbern. „Und das als junger Türke. Es war schon schon sehr ungewöhnlich. Das Krankenhaus wurde für ihn ein Stück Bühne: Bereits während der Ausbildung baute Yaman skurile Lampen aus Krankenhausmöbeln. „Ich entwarf die ersten Halogenlampen, indem ich mir Trafos wickeln lies und Kupferdrähte durch Räume spannte. Das waren die ersten Seilsysteme“, sagt er stolz, „außerdem befasste ich mich mit Töpferei und Gusstechnik. Letzteres war meine Leidenschaft.“ Nach und nach fertigte er Reliefs, Deckenstuck und lasierte Kacheln. „Meine Kunden waren erstaunt, dass die Kacheln noch warm waren als sie an der Wand klebten.“ Schnell sprach sich seine Begabung herum, und wenig später zählten Marlies Möller in Hamburg und das Café Fés zu seine Kunden. Auch für den Film „Otto - 7 Zwerge allein im Wald” goss er ein dickes Märchenbuch. Gefragt zu sein, ist nicht immer einfach: „Als ich mit meinen Partner als “Einrichtungsduo” in Hamburg durchstartete, brachte das Abendblatt eine Story auf einer ganzen Seite“, so der Vater von vier Kindern. Resultat? Der Anrufbeantworter war danach voller Anfragen aus ganz Deutschland. Trotzdem entschied man sich für Aufträge für individuelle Konzepte wie Restaurants, die unglaublich viel Spaß machen. So wie beim Schleswig Holstein Festival, wo Yaman am Tisch von Justus Franz Teller und Becher für das Ereignis entwarf. Seine Devise? „Ich gehe mit den Dingen einfach anders um. Bei mir steht der Auftraggeber, der Mensch im Vordergrund. Keine digitalen Entwürfe oder 3D-Darstellungen. Meine Visionen sind auf dem Zettel und in meinem Kopf. Sie bringe ich in Einklang mit den Kundenwünschen – und so erfülle ich Träume.“ Hier draußen auf dem Brookhoff, wo er gerade an einer neuen Idee für’s Hofcafé tüftelt, haben wir gern ein Stündchen mitgeträumt.