VON OBEN ÜBER NACH UNTEN

Text von: Lars Hansen am Mittwoch, 20 März 2013. geschrieben in MENSCHEN + REGION

VON OBEN ÜBER NACH UNTEN

Hamburg: Viele kennen seine Lieder, nur wenige sein Gesicht. Meistens sieht man von Carsten Pape nur den Hut, wenn er im Stadion und in den großen Hallen des Nordens auf der Bühne steht.

"Das war unheimlich", erinnert er sich. "Bis dahin hatten wir immer vor einem kleinen Publikum gespielt, das uns zwar liebte, uns aber auch kritisch begleitete und über die Texte nachdachte. Auf einmal haben die Leute nur noch gejubelt." Damals, sagt er, sei er abgehoben.

Direkt auf den Aufstieg folgte der Fall. Ein Geschäftsfreund unterschlug eine hohe Summe Geld, die Pape auch noch nachversteuern musste. Ein großer Schuldenberg drückte, Papes Ehe zerbrach. Mit einem Müllsack voll Klamotten, einer Gitarre und 380 Mark stand der einstige Rockstar auf der Straße, kam bei einem Freund unter.

"Da habe ich mich darauf besonnen, was ich kann", erinnert er sich. Und das sind vor allem zwei Dinge: Geschichten erzählen und Songs texten. "Das mit dem Geschichten erzählen hat ganz früh angefangen, so mit 15, 16", sagt Pape. "Auf Feten wurde immer wieder der Plattenspieler ausgeschaltet und es hieß: Pape, erzähl noch ne Geschichte". Irgendwann ließ er die Geschichten sein und fing an Lieder zu schreiben. "Die Herausforderung, eine ganze Story in 16 Zeilen zu packen, hat mich gereizt", begründet er den Metierwechsel. Mit der Deutschrockband "Zulu", deren Sänger er gleichzeitig war, erreichten seine Texte eine ergebene Fangemeinde. Später, mit Clowns und Helden, kam der Höhenflug vor dem Fall.

Zurück zum Geschichten erzählen kam Pape durch ein besonderes Publikum: seine Kinder. "Die wollten oft lieber eine selbst erzählte Geschichten hören, als aus Büchern vorgelesen zu kriegen". Für Kinder sind die Geschichten, die Pape auf CDs erzählt allerdings nicht geeignet. Die Themen sind hart, die Wortwahl derbe. Seine erste Geschichten-CD landete sogar auf dem Index. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, Pape zu lesen oder zu hören. Er erzählt seine Geschichten nicht nur auf Silberling. Er setzt sich auch auf die Bühne von kleinen Clubs und bringt die Stories live unter das Publikum.

"Und das ist wieder genauso geil, wie damals mit den Bands in kleinen Clubs", sagt er.

Pape  kann aber auch mehr, als "nur" Geschichten erzählen, wir erwähnten es: Direkt, nachdem er damals bei seinem Kumpel untergekommen war, begann er, sich die Finger wund zu telefonieren und Songtexte anzubieten, mit Erfolg: Nena, Blümchen und Peter Maffay sind nur einige, die schon Texte von Pape sangen und Lotto King Karls Nummern "Fliegen" und "Ballbesitz" stammen auch aus Carsten Papes Feder. Es geht bergauf: Eine überregionale Tageszeitung bietet Pape eine Kolumne an, ein TV-Sender plant eine Show mit "Bürger Pape". Zwar sind das erste Angebote, aber von echter Armut ist Pape momentan nicht mehr betroffen. "Meine Miete ist die nächsten Monate gesichert", sagt er. Es gibt wenige freie Autoren, die das von sich behaupten können. Weiter so!

Bei der Premiere in 2011 von Carsten Pape und seinen Feuerbrüdern, war der Logensaal in den Hamburger Kammerspielen komplett ausverkauft. Wer also bei dem nächsten Event nicht vor verschlossenen Türen stehen möchte, sollte sich frühzeitig Karten besorgen.

Weiteres auf seiner Homepage: papes-brueder.com

 

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