DER KORKEN MUSS SEUFZEN

geschrieben in: WISSEN am Donnerstag, 14 März 2013.

DER KORKEN MUSS SEUFZEN

Nur zu: Wer einen scharfen Säbel besitzt, soll sich ruhig selbst verstümmeln, bevor er andere verletzt. Ansonsten empfiehlt sich beim Servieren von Sekt oder Champagner folgendes Zeremoniell, dass die Show auf ein Minimum beschränkt und das Notwendige stilvoll erscheinen lässt: 1. Die Flasche wird aus dem Kübel genommen und mit einer Stoffserviette (oder einem Geschirrhandtuch) abgetupft. Man kann jetzt die Flasche, Etikett frei, im Tuch präsentieren, im privaten Kreis wäre das aber zu protzig. 2. Das Tuch wird unter die Flasche auf den Tisch gelegt, die Flasche hochgenommen, 45 Grad geneigt und so gehalten, dass sie auf niemanden zielt. Die Flasche mit der Linken festhaltend, lockert man nun die Drahtschleife. Dabei soll die Folie möglichst ganz bleiben. 3. Den Drahtkorb samt Stanniolkappe entfernen. Es kann sein, dass der Korken jetzt schon treibt. Dann kontrolliert samt Korb und Kappe kommen lassen, nützt ja nichts. 4. Eigentlich ist der Korken jetzt noch drin. Jetzt nimmt die rechte Hand die Flasche, die linke hält den Korken fest und beide Hände drehen gegeneinander. Der Korken soll mit einem lauten Seufzen kommen, das laute Knallen ist unerwünscht, weil dabei zuviel Kohlensäure flöten geht, bevor sie in die Tulpe kommt. 5. Den Korken in einer flüssigen Bewegung hochnehmen, möglichst an der eigenen Nase vorbei, um dezent daran riechen zu können, ob der gute Tropfen nicht vielleicht verdorben ist. Einen kurzen Blick in die Flasche werfen, ob im Hals noch Rückstände sind. Wenn ja: Mit dem Tuch oder der Korkenunterseite wegwischen. 6. In Etappen einschenken. 7. In die Augen gucken. 8. Prost! Text: Lars Hansen