Komische Kühe

geschrieben in: WISSEN am Samstag, 10 August 2013.

Komische Kühe

Warum gucken Kühe immer in eine Richtung?

Wir haben den Landwirt Achim Peters aus der Nordheide gefragt

Landwirte kennen das Phänomen: Kühe auf der Weide sind immer gleich ausgerichtet, nämlich bevorzugt auf einer Nord-Süd-Achse, und grasen die Weide auch in dieser Richtung ab. Lange meinten die Bauern, dies damit erklären zu können, dass das Fleckvieh sich so aus dem Wind dreht.  Aber das kann es nicht sein: Erstens kommt der Wind bei uns eher von Westen, und zweitens müssten die Kühe bei Windstille dann durcheinander stehen. Tun sie aber nicht. Auch der Vorteil einer gemeinsamen Fluchtrichtung für die ganze Herde greift nicht als Argument: Dann müssten verschiedene Herden unterschiedlich ausgerichtet sein. Das sind sie aber nicht, im Gegenteil: Eine Essener Biologin und ihr Team haben Satellitenbilder von der ganzen Welt ausgewertet: Nicht nur Kühe, sondern auch viele Rehe, Rentiere und Hirsche stehen, wie die Kompassnadeln. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Wanderbewegungen der wilden Herden früher eine große, den Jahresverlauf abbildende Ellipse auf der Nord-Süd-Achse beschrieben – nur wie weiß unser Vieh, in welcher Richtung es dem saftigen Gras hinterherknabbern muss? Die Essener vermuten einen Sinn für das Magnetfeld der Erde. Bei anderen Tieren haben sie ihn bereits nachgewiesen. Andere Forscher meinen, es liege an der Sonne. Und auch der Wind kommt manchmal ins Spiel: Pfeift der nämlich doll, pfeifen die Kühe auf den Norden und Süden und drehen sich tatsächlich so, dass sie nicht frieren.

Text: Lars Hansen